75 Jahre Freiwillige Feuerwehr Grafenwald

-Ein kurzer Rückblick-

Im Kriegsjahr 1940 wurde im Kirchhellener Ortsteil Grafenwald die Freiwillige Feuerwehr, Löschgruppe Grafenwald, in der Gasstätte „Haus Buschler“ gegründet. Unter dem Wahlspruch „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“ fanden sich 13 Grafenwälder zur „Außengruppe Grafenwald“ der Freiwilligen Feuerwehr Kirch- hellen zusammen.

Die Ausrüstung der „Außengruppe Grafenwald“ war zunächst recht spärlich. Mit einer Handdruckspritze, die von einem Traktor gezogen werden konnte und von der Wehr Kirchhellen-Mitte in Grafenwald stationiert worden war, konnten nur kleinere Brände gelöscht werden. Bis zur Schaffung eines „Geräteraumes“ für die Feuerwehr Grafenwald auf dem Schulhof der Grundschule im Jahre 1941, war die Spritze mit Spaten, Schläuchen, Feuerpatschen und Standrohr, sowie der später angeschafften Hakenleiter und Anstellleiter auf dem Hof Wieschermann am Sensenfeld untergebracht.

Die Ausstattung der Männer verbesserte sich schnell. Mit der Anschaffung der ersten persönlichen Schutzausrüstung im Jahre 1941, die aus Steigergurt mit Beil, Beiltasche und Nothaken, sowie Schutzhelm und Arbeitsschuhen bestand, wurden die Auswirkungen möglicher Gefahrenquellen auf Leib und Leben der Männer der ersten Stunde verringert. Schon 1943 wurde die altersschwache Handdruckspritze durch eine Balke-Mo- torspritze, deren Förderleistung bei 600 Liter / Minute lag, ersetzt. Von der Erforderlichkeit des Brandschutzes überzeugt, schlossen sich schnell weitere Grafenwälder der Gründungs- gruppe an und füllten so die Lücken, die durch die Einberufung zur Wehrmacht entstanden waren. In der Zeit bis zum Ende des 2. Weltkrieges schwankte die Mitgliederzahl der Wehr zwischen 30 und 40 Kameraden.

Nach Kriegsende musste Vieles in Grafenwald neuformiert werden, so auch die Löschgruppe Grafenwald, die aber auf zahlreiche, der Feuerwehr treu gebliebenen Kameraden zurückgreifen konnte. Mit der Fertigstellung des neuen Gerätehauses in Kirchhellen im Jahre 1961 wurde das technische Gerät der Lösch- gruppe Grafenwald abgezogen und in Kirchhellen untergestellt. Der Geräteraum wurde aufgelöst. Die Alarmierung erfolgte zu jener Zeit über Großraumsirenen. An der „Sammelstelle“ (Haus Buschler) wurde der von Kirchhellen per Telefon übermittelte Einsatzort bekannt gegeben und von dort mit Fahrrad, Moped, Traktor oder Auto angefahren. Mit der Wehr Kirchhellen, die mit den Feuerwehrfahrzeugen und Gerätschaften ausrückte, wurden die Einsätze bewältige. Im Zuge der Gebietsreform im Jahre 1975 wurde die Freiwillige Feuerwehr Kirch- hellen und damit auch die Löschgruppe Grafenwald in die Organisation der Feuerwehr Bottrop übernommen und wurde zeitgleich Mitglied im Stadtfeuerwehrverband e.V.. Nach großen Zeltfestenzum 25jährigen Bestehen 1965 und 40jährigen Bestehen 1980 konnte die Freiwillige Feuerwehr Grafenwald ihr 50jähriges Jubiläum im August 1990 ebenfalls mit einem Zeltest feiern, dem auch der Verbandstag des Stadtfeuerwehrverbandes e.V. angeschlossen war. In den vergangenen 75 Jahren unterlagen Dienst und Umfeld einer steten Veränderung. Die Ausbildung wurde und wird immer breiter gefächert. Die Ausrüstung verbesserte sich, wenn auch manchmal nur langsam. Im Jahre 1976 wurde die Ortswehr Grafenwald mit Funkmeldeempfängern ausgerüstet, die die Großraumsirenen ablösten und eine durchgehende  „stille Alarmierung“ ermöglichten. Anfang 2000 wurden die analogen Funkmeldeempfänger gegen digitale Empfänger ausgewechselt. Ebenfalls im Jahre 1976 wurde der Wehr ein Löschgruppenfahrzeug LF 16 TS zugeteilt. Da eine Fahrzeughalle noch nicht vorhanden war wurde das Fahrzeug zunächst auf der Feuerwache I bei der Berufsfeuerwehr und danach im alten Straßenbahndepot untergestellt. Im Jahre 1978 wurde der Fahrzeugpark durch die Zuteilung eines TLF 8 (Unimog) erweitert. Auch dieses Fahrzeug musste zunächst auf der Feuerwache I und dann im Straßenbahndepot untergestellt werden. Mit Anerkennung der Ortswehr Grafenwald im Jahre 1979 als selbständige Ortswehr wurde der Ausrückbereich der Freiwilligen Feuerwehr Kirchhellen aufgeteilt. Die Ortswehr Grafenwald erhielt einen eigenen Ausrückbereich nach der Alarm- und Ausrückordnung. Dieser erstreckt sich von der alten Gemeindegrenze mit Bottrop im Süden bis zur Straße Lehmschlenke / Brabecker Weg im Norden. Anlässlich des 40jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Grafenwald im Jahre 1980 wurde von der Ortswehr eine Fahne gekauft, die auf der einen Seiteden Wahlspruch „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“ mit dem Schutzpatron der Feuerwehr, dem Hl. Florian und auf der anderen Seite den Namenszug der Wehr mit den Gründungsdaten, als Zeichen der Beständigkeit zeigt. 

Im November 1981 gab es „grünes Licht“ für den Bau einer Fahrzeughalle. Im ersten von zwei Bauabschnitten konnte   zu- nächst die eigentliche Fahrzeughalle gebaut werden. Dieser Bauabschnitt wurde im September 1983 seiner Bestimmung übergeben. Nach einer „finanziellen Zwangspause“ konnte im Mai 1988 nach einer Bauzeit von 8 Monaten der zweite Bauabschnitt (Sozial- und Schulungsräume) an die Ortswehr offiziell übergeben werden. Beide Bauabschnitte wurden von den Kameraden der Ortswehr Grafenwald unter der Leitung des damaligen Ortswehrführers Alois Bromkamp in Eigenleistung erstellt. Aufgrund der erheblichen Einsparung an öffentlichen Geldern verlieh der Bund der Steuerzahler der Ortswehr Grafenwald im Jahre 1985 den „Eisernern Steuergroschen“. Mit Verfügung vom 29. März 1988 wurde die Sollstärke der Ortswehr Grafenwald auf Zugstärke festgelegt. Mit Anerkennung als Löschzug wurde der damalige Ortswehrführer Werner Rebbelmund zum ersten Löschzugführer in Grafenwald ernannt.

Im Jahre 1990 wurde der Fahrzeugbestand der Ortswehr Grafenwald ausgewechselt. Für die alten, ausgedienten Fahrzeuge wurden aus Beständen des Katastrophenschutzes ein neues LF 16 TS und einneuer RW 1 gestellt. Aus kommunalen Mitteln wurde ein TLF 8/18 angeschafft, das anlässlich des 50jährigen Jubiläums feierlich auf den Namen „Werner“, dem Vornamen des damaligen Ortswehrführers, getauft wurde. Mit Ausnahme des RW 1 sind die Fahrzeuge auch heute noch im Bestand der Wehr. Im Rahmen des 65jährigen Jubiläums wurde der Freiwilligen Feuerwehr Grafenwald am 12. Juni 2005 ein neues Fahrzeug (TLF 16/25) überreicht. Aufgrund steigender Mitgliederzahlen und geänderter gesetzlicher Vorschriften wurde eine Erweiterung des Gerätehauses notwendig. Unter anderem musste ein „Schwarz-“ und „Weißbereich“ geschaffen und der Schulungsraum vergrößert werden. Trotz der akuten Finanznot der Stadt Bottrop haben Bezirksvertretung und Rat im Jahr 2012 die Erweiterung des Gerätehauses beschlossen und die entsprechenden Mittel bereitgestellt. Kamerad Hubert Lanfermann hat sich mit viel Arbeit, Zeit und Energie an der Planung beteiligt. Abgesehen von kleinen Änderungen wurde sein Entwurf annähernd eins zu eins von der Stadt Bottrop übernommen.

Im Juni 2013 startete der Um- und Anbau des Gerätehauses. Viele vorbereitende Maßnahmen wurden von der Wehr wieder einmal in Eigenarbeit durchgeführt. Nach etwas über einem Jahr Bauzeit wurde am 28. Juni 2014 derErweiterungsbau des Gerätehauses offiziell übergeben. Im November 2013 wurde der Funkbetrieb von analog auf digital umgestellt. Damit änderten sich nicht nur die Rufzeichen der Fahrzeuge sowie der Leitstelle, sondern es wurden auch neue Geräte zur Verfügung gestellt. Im Jahr2014 wurde der Fahrzeugpark um ein MTF (Mannschaftstransportfahrzeug) erweitert. Somit stehen der Ortswehr Grafenwald folgende Fahrzeuge zur Verfügung: LF 16 TS, TLF 2000, LF 20, RW-Kran sowie das MTF. Neben der Bewältigung von Einsätzen und der ständigen Aus- und Fortbildung stellt sich die Ortswehr Grafenwald immer wieder mit Erfolg Leistungs- und Vergleichswettkämpfen. Die Ansprüche an das Wissen und die Kenntnisse der Wehrmitglieder hat sich deutlich erhöht. So ist heute jeder Feuerwehrmann mindestens neben dem Truppmann- und Truppführerlehrgang auch an der Motorsäge, als Sprechfunker, Atem- schutzgeräteträger, Maschinist und in der Absturzsicherung ausgebildet. Diese zahlreichen Ausbildungen geben einen kleinen Überblick über die Lehrgänge und Ausbildungen, die heute vomFreiwilligen Feuerwehrangehörigen zu leisten sind. Es wird eine hohes Maß an Zeit und Einsatzbereitschaft gefordert. Leider wird dieser Einsatz für die Allgemeinheit heute von Arbeitgebern weniger gewürdigt. Es wird immer schwieriger, für Ausbildung und Einsätze vom Arbeitgeber frei gestellt zu werden. Nicht nur die Feuerwehr, sondern auch die Floriangilde Bottrop versuchen in der Arbeitgeberwelt, die Notwendigkeit der Freiwilligen Feuerwehr zu verdeutlichen.

Heute gehören der Wehr derzeit 41 aktive und 9 Kameraden der Ehrenabteilung an. Um die Sicherheit für die Grafenwälder Bevölkerung auch in Zukunft sicher stellen zu können sind wir nicht nur auf Nachwuchs, sondern auch auf Arbeitgeber angewiesen, die Verständnis für dieses Ehrenamt zeigen. Als Freiwillige Feuerwehr mit einer mehr als 75jährigen Geschichte ist die Ortswehr ein fester Bestandteil in allen Bereichen des Lebens der Grafenwälder Bevölkerung geworden. Sie ist immer wieder Ansprechpartner, nicht nur wenn es brennt.

 

 

08/2015